- Bobby McGee -

Please Tip Your Waitress

Moment mal, den Namen kennen wir doch? Ja, "Bobby McGee" ist ein Song von Kris Kristofferson und Janis Joplin. Dort ging es im Original aber um eine Bobby McKee, Sekretärin des Songschreibers Boudleaux Bryant. In diesem Fall handelt es sich um eine Sängerin, die den Songtitel als Bühnennamen für ihre Auftritte übernommen hat. Wenig ist über sie überliefert worden. Smithsonian Folkways hat von ihr 1981 das Album "Bread and Raises" veröffentlicht. Im Begleittext wird aufgezählt, dass: "Bobby MCGee die Musik arbeitender Frauen und andere sozialkritische Songs bei Gewerkschaftstreffen und Versammlungen, in Hochschulen und Universitäten, Folk Clubs und Folk Festivals und bei Demonstrationen für die Frauenbewegung, Farmarbeiter und andere gute Zwecke vorgetragen hat."


Die Songs auf dem Album umfassen 200 Jahre der Kämpfe von Frauen, darunter "Bread and Roses", "Solidarity Forever", "Union Maid", "The Factory Girl", "Nine to Five", und "The Death of Mother Jones". Einzelne Lieder sind durch die Fortschritte bei der Emanzipation inzwischen inhaltlich geringfügig überholt. Die LKW-Fahrerin von "Truck Driving Woman" ist zwar immer noch selten, aber inzwischen immerhin Teil der Realität. Und der Traum "I'm Gonna Be An Engineer", eine Arbeit als Ingenieurin, kann für immer mehr Mädchen in Erfüllung gehen. Und auch da sind wir ein Stück weiter gekommen, aus den "Fifty-Nine Cents", die eine Frau als Lohn für jeden Dollar bekam, den ein Mann verdient hat, sind inzwischen 78 Cent geworden.

Der Song "Tip Your Waitress", im Ursprung von Willie Sordill aus dem Jahr 1978, ist dagegen Wort für Wort immer noch sehr aktuell. Dabei müssen wir zunächst einmal den kulturellen Hintergrund berücksichtigen. In Japan gelten Trinkgelder traditionell als Beleidigung, in Deutschland handelt es sich bei Trinkgeldern um eine freiwillige Zugabe, während in den USA Trinkgelder im Dienstleistungsbereich absolut verpflichtend sind, weil das bei extrem niedrigen Grundlöhnen die Beschäftigten zu mehr Arbeit anspornen soll.

An erster Stelle sollte sicherlich der Kampf um angemessene Löhne stehen, beim Thema Trinkgeld geht es aber auch außerhalb der speziellen Situation der USA darum, dass wir generell den Menschen, von denen wir uns bedienen lassen, mehr Anerkennung zeigen sollten. Und, selbstverständlich sollen auch männliche Servicekräfte genügend Trinkgeld/Anerkennung bekommen, der Song handelt aber noch von einer zusätzlichen Dimension, der vor allem Frauen ausgesetzt sind.

Weibliche Servicekräfte müssen leider oft die Anmachsprüche männlicher Gäste aushalten, bis hin zu sexuellen Übergriffen. Es gibt sicherlich viele Menschen, bei denen die Emanzipation der vergangenen Jahrzehnte angekommen ist und die solche Verhaltensweisen nicht mittragen, aber es bleiben noch zu viele, die ihren Sexismus für normal halten und damit den Arbeitsalltag von Kellnerinnen allzu oft zu einem Spießrutenlauf werden lassen.

Für arbeitende Frauen wurde manches erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun. Das Album "Bread and Raises" enthält Songs, die zum Kampf ermutigen. Es lässt sich alles kostenlos bei Youtube herunterladen. Aber auch diejenigen, die diese Musik für uns zusammenstellen und veröffentlichen, arbeiten hart für uns und verdienen dafür Anerkennung. Wer das weiter fördern will, kann selbstverständlich die CD bestellen. Bei Smithsonian Folkways gibt es außerdem z.B. "Songs of the Suffragettes", "Songs of the Wobblies", "Labor Songs", "Songs of the American Negro Slaves", "Negro Prison Camp Work Songs", "Freedom Songs" und viele mehr.

Gerhard Knapienski


Please Tip Your Waitress

Sixteen tables, four chairs at each one,
Two shows every night, she's on the run.
Three coffees here, five deserts there, let's go!
And some jerk over there, says she's too slow.

(CHORUS:)
Please tip your waitress, she's workin' hard for you,
She'll walk a few miles more before she's through.
She's got bills to pay, and food to buy like you.
Please tip your waitress, cause she's workin' hard for you.

It's "honey" this and "dear" that all the time,
but that's not half as bad, as all those lines.
She's a strong woman and her temper's gonna perk,
if one more guy asks, when she gets off work.

(CHORUS)

When she gets home from work, she still can't rest,
'cause tomorrow at the college there's a test.
She's up early in the morning as a rule,
makin' sure the kids get off to school.

(CHORUS)

Her paycheck's low, she does the work of two,
When something's wrong, folks blame you know who.
And then they say "Come on now, where's your simle?"
While the owner's gettin' richer all the while.


Gib der Kellnerin ein Trinkgeld


Sechzehn Tische, jeder mit vier Plätzen,
Zwei Shows jeden Abend, sie muss hetzen.
Drei Kaffees hier, fünf Nachtische dort, schnell herbei!
Und ein Vollpfosten dort drüben sagt, dass sie zu langsam sei.

(CHORUS:)
Gib der Kellnerin ein Trinkgeld, sie schuftet hart für dich,
Und sie läuft noch ein paar Meilen mehr bis zum Ende ihrer Schicht.
Sie hat Rechnungen zu zahlen und kauft Essen ein, wie du für dich.
Gib der Kellnerin ein Trinkgeld, denn sie schuftet hart für dich.

Es ist "Liebling" hier und "Schätzchen" dort die ganze Zeit,
aber das ist nicht halb so schlimm wie die dreisteste Anzüglichkeit.
Sie ist eine starke Frau und was ihre Wut entfacht,
wenn wieder jemand fragt, was sie nach Feierabend macht.

(CHORUS)

Kommt sie von der Arbeit, es sie nicht ruhen lässt,
denn morgen an der Hochschule da hat sie einen Test.
Sie muss regelmäßig jeden Morgen früh aufstehen,
sicherstellen, dass die Kinder zur Schule gehen.

(CHORUS)

Ihr Lohn ist niedrig, sie arbeitet für zwei,
Geht etwas schief, sagt man, dass sie schuld sei.
Und dann fragen sie, wo dein Lächeln bleibt?
Während der Eigentümer die Gewinne eintreibt.