- The Fugs -
Song for Emma Goldman
Die Fugs sind 1964 als Anarcho-Folkband von Ed Sanders und Tuli Kupferberg gegründet worden. Sie haben aktiv an den Bewegungen von Beatniks, Hippies und Yippies teilgenommen. Nachdem das alles zusammengebrochen war, veröffentlichten sie nur noch gelegentlich neue Alben, aber immer noch mit treffenden Kommentaren zum politischen Zeitgeschehen. Hinzu kamen Songs zur Selbstreflektion, was wir einmal gewollt hatten und was daraus geworden ist.
Einige ihrer Songtitel lauten: "Kill For Peace", "Yodeling Yippie", "Tune In, Turn On, Drop Out", "Hare Krishna", "Slum Goddess", "Dreams of Sexual Perfection", "No More Slavery", "Ban The Bomb", "CIA Man", "Backward Yewish Soldiers", "Cave 64", "Einstein Never Wore Socks", "Summer of Love", "Woodstock Nation" und etliche mehr.
Hervorheben möchte ich "Exorcising The Evil Spirits" aka "Out Demons Out", eine Dämonenaustreibung am Pentagon im Oktober 1967. Diese Aktion habe ich mit einer deutschen Version all der Namen, die dort angerufen werden, beim Ostermarsch 2003 am Kreiswehrersatzamt in Hannover kopiert. Vermutlich hat von den Anwesenden niemand verstanden, um was für eine Performance es sich da handelte, aber alle waren beeindruckt. Die Fugs selbst haben ihre Aktion als "Exorcism of the White House" 2017 wiederholt.
Hervorzuheben ist auch der Song "Working For The Yankee Dollar", wo das Original "Rum & Coca Cola" von Lord Invader und den Andrews Sisters mit einem passenderen Text versehen wurde. Mit neuem Text wurde bei den Fugs ebenso der "Teenager In Love" von Dion zum "Septuagenarian In Love" aktualisiert. Und das absolute Highlight, aus dem jiddischen Lied "Bulbes" haben die Fugs buchstäblich Nichts gemacht, das "Postmodern Nothing". Tuli Kupferberg hat mit seiner ausdrucksvollen Stimme und seinem jiddischen Akzent den Song besonders kraftvoll vortragen können. Leider ist Tuli Kupferberg 2010 gestorben. Es gibt neuere Aufnahmen mit Ed Sanders, aber die sind im Vergleich nothing.
Als 1994 ein kommerzielles Woodstock 2 veranstaltet wurde, mit Geldautomaten auf dem Festivalgelände und mit der Punkband Green Day, die von den Medien als Sensation gefeiert wurde, da haben die Hippies auf dem ursprünglichen Gelände ihr eigenes illegales Festival veranstaltet. Und gleichzeitig haben die Fugs in dem eigentlichen Ort Woodstock ein Konzert gegeben, "The Real Woodstock Festival". Wer die Fugs bisher noch nicht kennt und einen Einstieg sucht, sollte sich davon die CD besorgen.
Zusätzlich zur Musik wurden auch Bücher veröffentlicht. Darunter "1001 Ways to Beat the Draft" von Tuli Kupferberg mit Ratschlägen, sich der Einberufung zu entziehen, beispielsweise "Get elected Pope" gefolgt von dem praktikableren "Get lost". Von Ed Sanders stammt ein Bericht über "The Family", die Sekte von Charles Manson. Während deren Mitglieder sich beim Prozess noch als unschuldig verfolgte Blumenkinder präsentierten, hat Ed Sanders die wahren ideologischen Hintergründe der Family aufgedeckt: Rocker, Satanisten und die Arische Bruderschaft. Und, während die Fugs beim Sommer der Liebe 1967 in San Francisco Free Concerts gegeben hatten, lief Charles Manson dort herum und rekrutierte die Frauen für seine Killertruppe.
Von den Fugs wurden 2003 und 2010 die "Final CD Part 1" und "Final CD Part 2" veröffentlicht. Aber so ganz final war es dann doch nicht. die Fugs wurden als Band von Ed Sanders und Steven Taylor fortgeführt und 2023 erschien "Dancing in the Universe" mit einigen neuen Songs, aber auch mit vorher unveröffentlichten Aufnahmen von Tuli Kupferberg.
"Where Have All The Flowers Gone" wurde umgetextet zu "Where Have All The Commies Gone" -> "Where have all the beatrniks gone" -> "Where have all the hippies gone". Aus "Scarborough Fair" wurde "Armaments Fair", eine Messe der Waffenhändler. Höhepunkt des Albums ist aber der "Song for Emma Goldman" von Tuli Kupferberg.
"If I Can't Dance" ist ein Zitat, das Emma Goldman zugeschrieben wird. Es wurde u.a. 2007 von Sophie Ellis-Bextor für ihren Song verwendet. Emma Goldman hat das zwar wörtlich nie gesagt, aber es gibt in ihrer Autobiographie "Living My Life" einen Absatz, wo sie inhaltlich genau das beschreibt, insofern ist das Zitat authentisch.
Mein erster Gedanke zu dieser Aussage war, dass Emma Goldman mit dem Bolschewismus abrechnen wollte, den sie in Russland unmittelbar miterlebt hatte. Aber nein, es geht nicht um Gulags, um die Tscheka oder um die Niederschlagung des Aufstands von Kronstadt. Emma Goldmann beschreibt stattdessen ein Erlebnis zu Beginn ihrer anarchistischen Laufbahn. Bei einer Veranstaltung hatte sie aufreizend getanzt und einer ihrer Genossen ermahnte sie daraufhin, dass so etwas für eine Revolutionärin, die ein Vorbild sein müsse, unpassend wäre. Und eine derart engstirnige Auffassung von Revolution hat Emma Goldman abgelehnt.
Genau das Thema der Fugs. In dem Song "They're Closing Up The Loopholes of Life" beklagen sie "so many things that give us pleasure are illegal, immoral, non dietetic and non-PC", dass viele Dinge die Spaß machen illegal, unmoralisch, nicht diätetisch und nicht politisch korrekt sind. Die Fugs stammen aus einer Bewegung, die gegen die Benimmregeln der Gesellschaft rebelliert hat. Und, auch wenn wir viele Ansprüche an ein emanzipatorisches und solidarisches Verhalten haben und deshalb viele Dinge nicht tun sollten, darf das nicht dazu führen, dass wir uns mit einem neuen Katalog von Benimmregeln den Spaß am Leben verderben.

Emma Goldman & Tuli Kupferberg
Der "Song For Emma Goldman" richtet sich also gegen alle Aufpasssertypen und gegen die Auswüchse der aufgekommenen Cancel Culture. Es ist ein Song für Leidenschaft und für die Liebe. Der "Garten Eden", den wir gemeinsam erschaffen können, ist eine Anspielung auf den Song "The Garden Is Open", wo die Fugs 1968 einen Paradiesgarten für Hippies beschrieben hatten und, wie sie es in dem Song "Summer of Love" gesagt haben, wir haben damals wirklich daran geglaubt, dass wir die Welt verändern können. Diese Art von Spirit ist etwas, das die Jugendlichen von heute in der Klimaschutzbewegung dringend gebrauchen könnten.
"Dancing in the Universe" ist leider nicht als CD erhältlich. Es gibt eine Webseite von Bandcamp, wo die Songs gegen 10 Dollar Gebühr heruntergeladen werden können. Ich habe mich in diesem Fall aber an Allen Ginsberg gehalten, wonach mein "gutes Aussehen" als Bezahlung ausreichen sollte. Ich habe mir deshalb zunächst die kostenlose Version bei Youtube besorgt. Sobald eine CD in materieller Form erscheint, werde ich diese dann gern für meine Sammlung mit materiellem Geld kaufen.
Gerhard Knapienski
Nachtrag: Inzwischen habe ich die CD bekommen
Song for Emma Goldman
If I can’t dance you can keep your revolution
If I can’t fuck it’s you that’s out of luck
I don’t need your specious Constitution
All I need is my Anarchist pluck
We all have bodies and we all have brains
Some some stumble barefoot while others fly planes
Justice is a very simple thing
So why should one croak while another sings?
Why don’t we all now just plant a new Garden Eden
Wherever we might happen to be.....
For I know that as gladly as I could love you
You my darling would surely love me
Lied für Emma Goldman
Wenn ich nicht tanzen darf, dann behalte deine Revolution
Gönnst du mir keinen Sex, dann tut es dir bald selber leid
Ich brauche nicht deine bestechende Konstitution
Alles was ich brauche ist mein anarchistischer Schneid
Wir alle haben Körper, wir alle haben Verstand
Manche stolpern barfuß, andere fliegen übers Land
Gerechtigkeit ist ein einfaches Ding
Also warum soll jemand krächzen, während ein anderer singt?
Warum pflanzen wir alle nicht einen neuen Garten Eden
Wo auch immer wir uns gerade befinden.....
Denn ich weiß, so freudig wie ich dich lieben kann
Du mein Liebling würdest für mich ebenso empfinden