*** Achtung, die DSEI in Hannover wurde auf den 9.-12. März 2027 verschoben ***
- Keine gute IDEE -
Neuauflage einer Militärmesse in Hannover
Geplant ist eine Ausstellung moderner militärischer Ausrüstung mit dem Namen Defence Security Equipment International Germany (DSEI), die alle zwei Jahre auf dem Messegelände in Hannover stattfinden soll. Der Start ist für den 19. - 27. Januar 2027 geplant. Genug Zeit, um unseren Widerstand vorzubereiten. Da lohnt sich ein Blick auf die Vorgeschichte, damit frühere Fehler nicht wiederholt werden.
Den Versuch, eine Militärmesse in Hannover zu etablieren, hatte es bereits 1982 gegeben. Die International Defence Electronics Exposition (IDEE) war zuvor durch Proteste aus Wiesbaden vertrieben worden und sollte daraufhin in Hannover eine neue Bleibe finden.
Wir hatten in der Friedensbewegung frühzeitig davon erfahren und trafen uns mit Friedensbüro, DFG-VK, Graswurzelgruppe und anderen Organisationen aus dem Kreis der Friedensbewegung regelmäßig, um die möglichen Aktionen zu besprechen und vorzubereiten.

Der Protest überwindet Stacheldraht
Dann wurde aber auch der Asta der Uni Hannover einbezogen und der forderte, dass die Treffen als Plenum stattfinden sollten. Darauf kamen dann immer so um die 100 Unorganisierte zusammen. Die Atmosphäre wurde zunehmend ungemütlich. Die Leute erklärten uns offen, sie könnten den Begriff "Frieden" nicht mehr hören. Wir erwiderten, dass sie dann doch eigentlich für die Waffenmesse sein müssten, weil sie mit ihrer Einstellung dort zum Kundenkreis gehören würden. Was sich wenige Jahre später mit der Kampagne "Geld für Waffen für El Salvador" leider bestätigt hat.
Ich war aus der Friedensbewegung noch derjenige, der am längsten bei diesem Plenum durchgehalten hatte, aber irgendwann hatte auch ich keine Lust mehr, mir das noch länger anzutun.
Im Vorfeld gab es dann eine erste Demonstration gegen die IDEE. Die Polizei erklärte mittendrin, dass die Demo aufgelöst sei. Irgendjemand hatte angeblich eine Flasche oder Bierdose geworfen. Ich hatte dann vorgeschlagen, dass wir mit erhobenen Händen weitergehen, um unsere Friedfertigkeit zu beweisen. Die Demo konnte auf diese Weise tatsächlich gegen den Willen der Polizei fortgesetzt werden. Ein kleiner Erfolg für die Gewaltfreiheit.
Im Mai 1982 gab es schließlich zur Eröffnung der Waffenmesse eine Großdemonstration. 20000 Leute waren gekommen. Darunter auch ein Schwarzer Block. Von dem wurde unterwegs immer wieder die Polizei angegriffen und Geschäfte am Straßenrand demoliert. Angehörige Gewaltfreier Aktionsgruppen hatten sich daraufhin mit erhobenen Händen dazwischen gestellt. Seht her, die Pazifisten schützen die Polizei, wurde uns dann hinterher vorgeworfen.

Keine Gewalt - Demonstranten bilden eine Kette zwischen Polizei und Autonomen
Es gab dann auch jemanden, der war damals Mitglied der VVN, der hatte uns bei den Treffen der Friedensbewegung gesagt, wir sollten uns wegen ein paar geworfener Steine nicht so anstellen. Als er bei der Demo dann das Verhalten der Autonomen miterlebt hat, hat er ein paar von denen verprügelt. Seht her, das ist also die Gewaltfreiheit der Pazifisten wurde uns dann vorgehalten.
Soweit gekommen ist es, weil Gruppen wie der Asta bei den Vorbereitungen jede Diskussion über die Gewaltfrage verhindert hatten. Die Friedensbewegung würde doch nur die Propaganda der Polizei übernehmen, wurde verbreitet. Daraufhin sind Leute, die sich darauf verlassen hatten, mit Kinderwagen zu der Demo gekommen und haben sich anschließend bitter beschwert.
In einer späteren Dokumentation der Spontis wurde dann eine Erklärung der Autonomen abgedruckt, wonach es vereinbart gewesen sei, dass auf dem Weg der Demonstration geeignete Ziele angegriffen werden sollen. Wer hatte da wohl mit wem verhandelt, um so ein Abkommen zu treffen?
Es war in der militanten Linken damals der Übergang von der Bewegung der Spontis zur Bewegung der Autonomen. Da gab es zwischendurch wohl einige Reibereien, aber letztlich nehmen die sich nichts.
Die Intervention der Gewaltfreien Aktionsgruppen hatte die ganz große Randale verhindern können. Das Hauptthema blieb in der Öffentlichkeit dadurch weiterhin die Militärelektronikausstellung selbst. An jedem Tag gab es eine Demonstration um das Messegelände herum, dazu Kundgebungen in der Innenstadt und wir hatten eine eigene Zeitung, die wir verteilten.
In dieser Phase des Widerstands war fast alles wieder strikt gewaltfrei. Aber, auch sowas ist passiert, irgendwo war einem Polizisten die Jacke abgenommen worden. Und dann läuft jemand mit dieser Jacke bei der Demo um das Messegelände herum. Hätte das nicht innerhalb der Demo irgendjemand bemerken und ihn zur Rede stellen müssen? Stattdessen wurde er dann von der Polizei entdeckt und festgenommen.
Solche Probleme haben sich heute eher verschärft. Inzwischen laufen ja auch Nazis bei Friedensdemonstrationen mit. Irgendwie müssen wir lernen, besser aufeinander zu achten. Also, Bezugsgruppen bilden und gemeinsam zur Demo gehen und sich gegebenenfalls von anderen Teilen einer Demo abgrenzen.

Mahnwache am Messegelände
Insgesamt waren die Aktionen gegen die IDEE erfolgreich. Das Konzept dieser Messe wurde aufgegeben. Wer sich über die Vielfalt des Gewaltfreien Widerstands informieren möchte, kann sich bei Youtube das Video "Gewaltfreie Aktion gegen die IDEE 1982" anschauen. Auch unsere damalige Zeitung ist bei kulturzentrum-faust.de unter dem Stichwort "Keine gute I.D.E.E." noch als PDF verfügbar.
Ich habe mich hier auf Aspekte konzentriert, wo wir aus eventuellen Fehlern lernen können, um sie nicht zu wiederholen. Dazu gehört leider auch ein trauriges Ereignis aus der Nachgeschichte der IDEE. Aus dem Kreis der Spontis heraus hatte sich eine Gruppe gebildet, die Anschläge auf die Messe-AG verübte. Ein Bekannter von mir war dort hineingeraten und hat sich dann mit einem umgebauten Feuerlöscher auf dem Messegelände versehentlich selbst in die Luft gesprengt.
Viel zu viele, die mit einer antimilitaristischen Motivation beginnen, erwischen dann die falsche Abzweigung und entwickeln einen eigenen Militarismus. Ich sage dazu provokativ, ich bin froh um alle, die rechtzeitig von der Polizei erwischt werden, bevor es ihnen so ergeht, wie meinem Bekannten.
Wichtiger wäre es selbstverständlich, sich immer wieder argumentativ mit Bewegungen wie den Autonomen auseinanderzusetzen und ihnen die Leute abzuwerben. Im Hinblick auf die Waffenmesse von 2027 wird das eine entscheidende Bedeutung bekommen. Russland führt mit Sabotageakten einen hybriden Krieg gegen die Nato, die Autonomen führen mit Anschlägen auf ihre Weise ebenfalls einen Krieg gegen die Nato und versuchen gleichzeitig, sich als Antikriegsbewegung darzustellen.
Dagegen müssen wir immer wieder aufzeigen, dass wir jede Art von Krieg ablehnen und dass für uns deshalb nur Frieden Anti-Krieg bedeutet und dass wir diesen Frieden nur mit den friedlichen Mitteln der Gewaltfreien Aktion erreichen können. Die Ausgangsbedingungen sind in Hannover diesmal allerdings denkbar schlecht. DFG-VK und Graswurzelgruppe existieren nicht mehr. Das Friedensbüro läuft Sahra Wagenknecht hinterher. Nur die Autonomen sind in Bezug auf die Militärausstellung organisationsfähig.
Wir brauchen dringend wieder eine Gewaltfreie Aktionsgruppe in Hannover.
Gerhard Knapienski
ps: Bereits im September 2025 wird es in Essen die Euro Defence Expo geben. Da werden wir von Hannover aus genau hinschauen und wünschen allen Gewaltfreien dort viel Erfolg.
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